Wissen. Wahrnehmung. Vermittlung. Seite 84

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Inhalt

84 DIE TAGUNG WISSEN WAHRNEHMUNG VERMITTLUNG KULTURGESCHICHTE IN DER ÖFFENTLICHKEIT es so Die von mir gewählten Wörter fungierten als Orien tierungspunkte Gewalt Mechanismen Geld Verlassenheit Angst Politik Erinnerungen Vergessen Liebe Vorurteile Das alles sind Begriffe die eine Relevanz sowohl für den his torischen Kontext des Holocaust besitzen als auch für die Ge genwart In diesem Projekt ging es also um die Schaffung eines Raums zum Nachdenken Sitzmöglichkeiten Tische und sorgfältig zusammengestellte Materialkästen standen dazu bereit Die Jugendlichen konnten hier individuell ihre Begegnung mit der Gedenkstätte verarbeiten Jeder hatte die Möglichkeit für sich in Ruhe seine eigene Form der Reflexion zu finden Es entstan den Gedichte Zeichnungen Kommentare zum Gesehenen und Gehörten wie auch Kommentare zum Alltag der Jugendlichen Auf diese Weise konnten andere wiederum auf das Entstande ne reagieren und es entwickelte sich eine Art modernes Denk mal War dies ein Teil kultureller Bildung oder bereits Kunst Anna Zosik ging davon aus dass die NS Gedenkstätten von Anforderungen und moralischen Ansprüchen häufig gerade zu überladen sind Dort soll historisches Wissen vermittelt werden die Adressaten sollen die Bedeutung der Geschichte und der Erinnerung an die Verbrechen erkennen und daraus eine Haltung entwickeln die dem Gedenken an die Opfer ver pflichtet ist und zugleich zukünftige Menschenrechtsverlet zungen verhindern hilft Was die Teilnehmer selbst denken und wollen spielt nur zu oft eine untergeordnete Rolle Das Projekt Gedenkwerkstatt wollte hingegen die Frage stel len Was interessiert Jugendliche in Deutschland und Polen an der NS Geschichte heute beziehungsweise ob und warum fin den sie die Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig Das Projekt zielte nicht auf die Vermittlung oder die Aneignung von Wissen über Geschichte sondern vielmehr auf die Refle xion der in der Gedenkstätte vorgefundenen Informationen ab Es wollte die jungen Besucher herausfordern ihre eigene Hal tung mitzuteilen ihre persönliche Verbindung zu dem Gesche henen herzustellen im Sinne von Hannah Arendt Es gibt keine gefährlichen Gedanken das Denken selbst ist gefähr lich Deswegen war es der Künstlerin auch wichtig dass der Raum ohne Aufsicht und damit ohne moralische Kontrolle funktionierte Hier konnten Menschen anonym und über eine


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