Wissen. Wahrnehmung. Vermittlung. Seite 76

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76 DIE TAGUNG WISSEN WAHRNEHMUNG VERMITTLUNG KULTURGESCHICHTE IN DER ÖFFENTLICHKEIT Seite versuchen wir die einzigartigen Zeugnisse unserer Ver gangenheit mit großem fachlichen und finanziellen Aufwand für die Nachwelt zu erhalten auf der anderen Seite machen wir sie zu Objekten der Vermarktung die jedes auf seine Art attraktiv sein sollen Da passiert es dann eben leider nicht nur dass Brunnenbecken saisonal zu Pflanztrögen mutieren Um unser gebautes Erbe attraktiv zu machen fügen wir ihm auch tiefgreifende bleibende Veränderungen zu Ich nenne nur die vielfältigen Begehrlichkeiten zur Modifizierung historischer Wohnungsgrundrisse und den immensen Verwertungsdruck der auf den Dachgeschossen lastet Als Denkmalpfleger kann man hierbei nur Schadensbegrenzung betreiben und sich be mühen dass solche Dachausbauten so denkmalverträglich wie nur möglich geschehen Auf das einzelne Objekt bezogen mag es durchaus zu akzeptablen Lösungen kommen Der Preis den unsere Altstädte zu zahlen haben ist jedoch ein hoher und wie ich meine ein doppelter Da ist zunächst die sukzessive Veränderung der Dachlandschaft als ein im weitesten Sinne ästhetisches Problem dann aber auch die in der Regel denk malschutzrechtlich sanktionierte Aufgabe eines historischen Überlieferungszustands der viel über ursprüngliche Nutzun gen und Wohngewohnheiten aussagen könnte Damit komme ich zum eingangs Gesagten zurück Es kann durchaus im Sinne der Denkmalpflege sein zur Umsetzung zukunftsträchtiger Sanierungskonzepte den Bestand punktuell zu reduzieren und kontrollierte Veränderungen vorzunehmen Wenn wir aber das Baudenkmal als steinernes oft auch hölzer nes Geschichtsbuch verstehen das darauf wartet gelesen und vorgelesen zu werden dann müssen wir uns vor jedem Eingriff eine Frage stellen Bleibt die Geschichte des Denkmals wei terhin verständlich oder werden wir am Ende nur noch Frag mente der Überlieferung vor uns haben Freilich auch Frag mente können noch hohen dokumentarischen Wert besitzen Das denkmalpflegerische Tagesgeschäft lehrt Bescheidenheit Aber eines möchte zumindest ich nie verantworten müssen dass ein Baudenkmal keine wahren Geschichten mehr erzählt sondern Märchen Æ DAS BAUDENKMAL ALS STEINERNES GESCHICHTSBUCH


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