Wissen. Wahrnehmung. Vermittlung. Seite 72

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72 DIE TAGUNG WISSEN WAHRNEHMUNG VERMITTLUNG KULTURGESCHICHTE IN DER ÖFFENTLICHKEIT weilen den Eindruck die Zuwachsraten im Bereich der Gäs tezahlen seien das Wichtigste am Prädikat Welterbe Nimmt man diesen Titel jedoch ernst resultiert daraus eine besondere gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft eingegan gene Verpflichtung dieses Erbe bestmöglich zu schützen zu erhalten zu erforschen und auch zu vermitteln Wachsende Besucherströme fordern uns aber auch zu erhöhter Wachsam keit auf Es ist hinlänglich bekannt dass die Intensivierung der Nutzung in historischen Innenräumen weitreichende Kon sequenzen haben kann Zum einen werden Oberflächen von Fußböden und Wänden durch Abrieb Bestoßung und andere mechanische Einwirkungen einem schleichenden Substanz verlust ausgesetzt Zum anderen können sich Veränderungen des Raumklimas negativ auf historische Wandfassungen oder Ausstattungsteile auswirken In Einzelfällen muss es daher zu Einschränkungen der Nutzung kommen um es auch künfti gen Generationen noch zu ermöglichen unsere Baudenkmä ler in einem möglichst authentischen Überlieferungszustand zu erleben So weit die Theorie In der Praxis begreift der Denkmalpfleger der für ein besonders gefährdetes Objekt Nutzungseinschränkungen durchsetzen möchte sehr schnell dass er anscheinend ganz persönlich der Verwertung des Denkmals hinderlich ist Er muss zur Kenntnis nehmen dass es eben Räume gibt deren wirtschaftlicher oder auch reprä sentativer Wert scheinbar über den Denkmalwert erhaben ist Schließlich können unsere alten Städte ja gerade dadurch in der Konkurrenz mit anderen Städten punkten dass man hier ganz selbstverständlich in historischen Räumen tagen feiern und einkaufen kann Das ist in der Tat ein hohes Gut aber um es zu bewahren müssen wir der unbekümmerten Verwertungs mentalität entgegenwirken Und das geht wohl nur über eine verstärkte Sensibilisierung der Bevölkerung der wir den un ersetzbaren Zeugniswert des Originals nahebringen müssen Aber nicht nur den materiellen Substanzverlust gilt es zu mi nimieren Auch das Erscheinungsbild und ganz allgemein die Wahrnehmung unserer Baudenkmäler bedürfen des Schutzes vor Entwertung Manches wie Werbung und Warenauslagen lässt sich durch Satzungen und Richtlinien regulieren Ande res worauf wir keinen Einfluss haben ist schlichtweg eine Fra ge der Manieren und des guten Geschmacks so etwa die im Sommer beliebte Umfunktionierung der Domstufen zu dicht


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