Wissen. Wahrnehmung. Vermittlung. Seite 34

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34 DIE TAGUNG WISSEN WAHRNEHMUNG VERMITTLUNG KULTURGESCHICHTE IN DER ÖFFENTLICHKEIT erforderlich auch zu korrigieren ergibt sich mitunter eine schwierige doch unerlässliche Gratwanderung Ein anderes Beispiel in dem es darum geht welche Geschichte denn ver mittelt wird Die Relevanz der Auseinandersetzung mit der NS Zeit ergibt sich für uns Deutsche nicht zuletzt dadurch dass wir uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen müs sen und dies angesichts der Ungeheuerlichkeit der Verbrechen auch nicht beiseite schieben können Bei einem Schulprojekt zur NS Zeit vor einiger Zeit in Nürnberg erklärte ein türkisch stämmiger Teilnehmer dass er sich im Projekt engagiert habe obwohl es sich ja nicht um seine Geschichte handele Aber zu sammen mit seinen Klassenkameraden habe er erfahren wie wichtig ihnen dieser Teil ihrer deutschen Geschichte sei Welche Geschichte vermitteln wir also Muss es unbedingt un sere Geschichte sein Ist die Beschäftigung mit dem Faschis mus nicht für jeden relevant der sich um die politischen Ge staltungsmöglichkeiten im 20 Jahrhundert Gedanken macht und für die Gegenwart daraus Schlüsse ziehen möchte Oder muss der türkischstämmige Schüler diese Geschichte zu der seinen machen damit er als integriert angesehen werden kann Auch mit diesen Fragen werden wir uns angesichts der gesell schaftlichen Veränderungen im Zuwanderungsland Deutsch land die nächsten Jahre intensiver beschäftigen müssen Dazu gehört auch wenn wir bei der Thematik der Zuwanderung bleiben wollen unsere auf die nationale Geschichtsschreibung ausgerichteten historischen Darstellungen zu überprüfen Es lohnt sich vielleicht diese Präsentationen unter dem Aspekt von Wanderungsbewegungen einmal querzulesen und daraus neue Bewertungen abzuleiten Die musealen Sammlungen und Dauerausstellungen erlauben dies in der Regel denn Objekte können unterschiedlich befragt und interpretiert werden Und die Ergebnisse solchen Querlesens können zu fruchtbaren Dis kussionen führen die anregend auch für die Fachwissenschaft sein können Meines Erachtens sollte die Museumspädagogik noch stärker als bisher beitragen das Museum zu einem lebendigen Ort der Kommunikation zu gestalten an dem über Kunst Kultur und Geschichte gesprochen und gestritten werden kann an dem Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich und damit ver handelbar werden Ausstellungen haben wie wir wissen ein


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