Wissen. Wahrnehmung. Vermittlung. Seite 114

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114 ABSCHLUSS KULTUR IN DER ÖFFENTLICHKEIT ZWEI BEISPIELE VOR ORT davon hören kann da derselbe erst kurze Zeit dem öffentli chen Zugang freigegeben wurde da er früher nie gezeigt wur de Ja sagten sie bei uns in der Provinz wurde so viel erzählt von dem Wintergarten und welche Orgien hier schon gefeiert wurden wo die Prinzessinnen und auch die anderen Damen nackt herumliefen und die Prinzen und sonstigen Herren sie hinter den Gebüschen belauschten usw Ich konnte mich vor Staunen kaum fassen und sagte dass es mich nur wundere dass es überhaupt Menschen gibt wenn solche Sachen erzählt werden die solchen Unsinn annähernd glauben Der Winter garten wurde nur beim Besuch von auswärtigen Fürsten und das vielleicht alle 2 3 Jahre einmal voll und ganz in Stand gesetzt und da nur für 2 3 Tage Zur anderen Zeit betritt den selben niemand anderer als unser Gärtner Die beiden waren sichtlich überrascht über diese Erklärung und erstaunten sich noch mehr dass es überhaupt so charakterlose Menschen gibt die so etwas als Sensation erzählen Tatsächlich soll man sol chen Märchen niemals glauben aber es gibt Menschen die es so sicher und ausführlich zu wissen scheinen dass oft gar nicht mehr daran zweifelt sic Beide bedankten sich vielmals über meine Aufklärung und versprachen dass sie jeden der so ähnliche Sachen erzählt anständig heimleuchten werden Mir schienen diese beiden Menschen als das was sie verspra chen 25 Was in dem Bericht Wimmers zum Ausdruck kommt ist ein Zwiespalt der die Vermittlungsarbeit in der Residenz Mün chen bis heute bestimmt Es ist auf der einen Seite das Ver langen nach dem nackten Leben nach einem Belauschen der Damen und Herren bei Hof die Lust ihre gehüteten Geheim nisse und Skandale zu entdecken und auf der anderen Seite die große Enttäuschung vor der Realität ein musealisiertes Gebäude das dem wirklichen Leben im strengen Zeremoniell entfremdet scheint Der Bayerische Kurier vom 6 November 1913 bringt dies wunderbar auf den Punkt indem er die aus Anlass der Krö nung erfolgte Übersiedlung König Ludwigs III vom Wittels bacher Palais in die Residenz beschreibt 25 Wimmer 1921 wie Anm 19 S 32 f


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