Wissen. Wahrnehmung. Vermittlung. Seite 100

Hinweis: Dies ist eine maschinenlesbare No-Flash Ansicht.
Klicken Sie hier um zur Online-Version zu gelangen.

Inhalt

100 ABSCHLUSS KULTUR IN DER ÖFFENTLICHKEIT ZWEI BEISPIELE VOR ORT einem definierten historischen Moment dem Jahr 1918 das das Ende der Residenz als Regierungssitz brachte gleichsam eingefroren Die museale Nutzung der Residenz als begeh bares Denkmal einer als abgeschlossen erklärten historischen Epoche lässt sie wie die meisten Schlossmuseen im Hinblick auf die aus museologischer Sicht immanente Tendenz zu Erweiterung und Aktualisierung der Sammlung als ein totes Museum erscheinen Es muss mit dem gegebenen nicht ohne Weiteres zu vermehrenden oder aktuellen Fragestellungen an zupassenden Bestand seine musealen Aufgaben wahrnehmen Gegenüber diesem statischen Sammlungsbestand war hin gegen im Falle Münchens der räumlich architektonische Rahmen der dem einst höfischen Inventar als integraler Be deutungsträger zugeordnet ist in dem knappen Jahrhundert musealer Geschichte den einschneidendsten Veränderungen ausgesetzt Denn während das rechtzeitig geborgene mobile Kunstinventar kaum Verluste durch die massiven Kriegszerstö rungen von 1944 45 samt den Folgeschäden der unmittelbaren Nachkriegszeit zu verzeichnen hatte waren die Bausubstanz der weitläufigen Schlossanlage sowie ihre wandfesten Ausstat tungen im höchsten Maße betroffen Dieser gravierende Einschnitt sollte die Rolle des Museums noch einmal in entscheidender Weise prägen Der schon bald nach Kriegsende in Angriff genommene und über Jahrzehnte weitergeführte Wiederaufbau der Residenz erhob das zerstör te doch nach und nach erneuerte Schloss zu einem zentralen Projekt der deutschen Denkmalpflege und ihrer Geschichte So lassen sich am Verlauf der wechselnden bis heute andauernden Maßnahmen die verschiedenen einander oft widersprechen den und sich gegenseitig ablösenden mittlerweile selbst histo risch gewordenen Positionen der Denkmalpflege ablesen Bei seinem Rundgang durch das Museum stößt daher ein hierfür sensibilisierter Besucher in unmittelbarer räumlicher Abfolge auf die Umsetzungen diverser baulich denkmalpflegerischer Lösungsansätze sei es die Neuschaffung neutraler Museums räume die andeutende Wiederherstellung des ursprünglichen räumlichen Kontexts die weitgehend freie Nachschöpfung von Stilräumen als Hintergrund für erhaltenes Inventar oder aber die vollständig durchgeführte Totalrekonstruktion Die ideologischen theoretischen und pragmatischen Hintergründe dieser einzelnen Entscheidungsfindungen können so unmit telbar nachvollzogen werden Sie gehören zur Geschichte des


Vorschau Wissen. Wahrnehmung. Vermittlung. Seite 100